Einige der zu vermittelnden Hunde sind aus unterschiedlichen Gründen zunächst in Pflegestellen untergebracht. Das hat den Vorteil, dass wir mehr über sie erfahren können. Die Pflegestellen erzählen hier.

Pflegestelle sein - macht das viel Arbeit?

  • Elke
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Pflegestelle sein - macht das viel Arbeit? wurde erstellt von Elke

02 Juli 2016 23:11
#1
Pflegestelle sein - macht das denn nicht viel Arbeit?

Diese Frage bekommen wir oft gestellt, wenn wir neben unseren eigenen beiden Laborbeagle auch noch mit einem Pflegebeagle unterwegs sind.


Pflegestelle - warum machen wir das?

Seit über einem Jahr sind wir nun Pflegestelle bei der Laborbeaglehilfe e.V. Es war eine aufregende Zeit, mit ganz vielen schönen Momenten - und auch ein paar traurigen :-(.


Auf der Suche nach einem Hundekumpel für unseren Westie Lucky sind wir - eher durch Zufall (oder war es Bestimmung?) - auf die Laborbeaglehilfe aufmerksam geworden. Schnell hatten wir uns entschieden, Fiete sollte es sein. Fiete hatte das Institut schon verlassen und durfte bei einer liebevollen Pflegestelle im schönen Bayern in den ersten Wochen nach seiner Entlassung die schöne Seite des Lebens kennenlernen.

Wir hatten bis dahin weder Kontakt mit einem Beagle, noch mit einem Hund, der aus einem Tierversuchsinstitut oder überhaupt von einer Tierschutzorganisation stammt.. Nach mehreren ausführlichen Gesprächen mit der zuständigen Vermittlerin konnten wir dann Kontakt mit der Pflegestelle aufnehmen. Für uns Laborbeagle-Anfänger war es ein großes Glück, dass es diese Pflegestelle gab.

Ein liebevoll geführtes Pflegestellentagebuch zeigte uns viele Fotos von "unserem" Hund und schon so einige Informationen zu Fiete, die wir bei einem Hund direkt aus dem Institut nicht hätten bekommen können. Wir haben (mehrmals) telefoniert und sind heute noch Kathrin und ihrer Mama dankbar für die ausführlichen Berichte zu Fiete. Das erleichterte uns und Fiete den Einstieg in die gemeinsame Zeit enorm. Wir waren optimal vorbereitet und hatten eine sehr konkrete Vorstellung davon, was auf uns zukommt. Entsprechend sanft und problemlos gestaltete sich unser erweitertes Familienleben. :lol:

Wir erlebten diese erste Adoption über die Laborbeaglehilfe sehr positiv. Die Organisation war tadellos, die Vermittlerin stand uns stets mit Rat zur Seite und noch heute haben wir Kontakt zu "unserer" Pflegestelle. :silly:


Nach diesen Erfahrungen war für uns - nachdem wir uns von unserem Lucky verabschieden mussten - schnell klar, dass ein weiterer Laborbeagle bei uns einziehen wird. Auch Lewin wurde drei Wochen in einer Pflegestelle liebevoll auf sein neues Leben vorbereitet. Wieder hatten wir Kontakt zur Pflegestelle, haben Fotos und viele Informationen erhalten - auch Linda sind wir dafür sehr dankbar.



Wir können die Welt nicht retten, aber wir können etwas Gutes tun - jeder auf seine Weise

In mir reifte der Wunsch, etwas von diesen positiven Erlebnissen an die Laborbeaglehilfe e.V. zurückgeben zu können und diese Organisation zu unterstützen. Ich wollte mich auch als Pflegestelle anbieten und Laborbeagle, die noch keine eigene Familie gefunden haben, bei den ersten Schritten in ihrem neuen Leben begleiten. Aber da war ja noch mein Mann ... Da ich berufstätig bin war klar, dass es nur als gemeinsames Projekt funktionieren kann - und das bedeutete zunächst schon etwas Überzeugungsarbeit ;-)

Ich nehme mal kurz vorweg, dass mein Ehemann heute oft der Erste ist, der mit dem Pflegie im Arm auf dem Sofa oder Liegestuhl liegt. Er ist eher der ruhende Pol bei uns, was für die Hunde sehr gut ist. Er ist also bei uns der Hunde-Ruhe-Flüsterer :-) - Ich übernehme gerne den Part des Trainings, die Pflege und das Heranführen an neue Situationen.

So zog also Anfang 2015 unser erster Pflegehund bei uns ein. Wie wird es mit den eigenen Hunden klappen? Wie lange wird er bleiben? Wird er ängstlich und/oder stubenrein sein? Viele Fragen haben wir uns gestellt.

Die Tatsache, dass wir im Laufe des vergangenen Jahres 9 Beagles nach ihrer Entlassung aus dem Institut bei uns als Pflegehunde aufgenommen haben zeigt schon deutlich, wie gerne wir es machen – und wie gut es funktionieren kann.


Wie ist das nun für uns, wenn ein neuer Pflegie einzieht?

Jedes Lebewesen ist ein Individuum und deshalb ist natürlich auch jeder Hund anders. Entsprechend gibt es auch (fast) kein Universalrezept für den Umgang mit dem frisch entlassenen Beagle.

Eine kaum zu beschreibende Hilfe sind uns unsere eigenen Laborbeagle, die sich als hervorragende Pflegepaten zeigen. Dabei spielt die grundsätzliche Verträglichkeit der Beagle mit Hunden, Katzen und anderen Kleintieren eine wichtige Rolle. Zu keinem Zeitpunkt gab es irgendwelche Probleme der Hunde miteinander. Im Gegenteil, sie liegen meist nach wenigen Tagen zusammen im Körbchen - wenn sie nicht grad mit meinem Mann auf dem Sofa schlummern :-).


In den ersten Tagen nehmen wir uns ganz bewusst viel Zeit für den Pflegie und versuchen, den Hund zu "lesen". Wie reagiert der Pflegie auf verschiedenen Situationen? Schnüffelt er intensiv an bestimmten Stellen und versucht er zu markieren? Wie ist das Fressverhalten? Kennt er Leine und Geschirr? Es zahlt sich sehr aus, sich diese Zeit zu nehmen und individuell auf den Hund einzugehen.

Besonders am Anfang geben wir dem Hund viel Ruhe und lassen ihm viel Zeit. Er orientiert sich meist sehr an Fiete und Lewin und lernt somit ganz automatisch, wie es so bei uns läuft.


Macht es denn nun viel Arbeit, Pflegestelle zu sein?

Natürlich bindet ein Hund - und somit auch ein Pflegehund - ein gewisses Maß an Zeit. Aber ist es deshalb viel Arbeit? Ich denke, das ist Einstellungssache. Wenn wir etwas Soziales, also etwas Gemeinnütziges und Hilfsbereites machen, dann verbringen wir damit Zeit. Und ja, es ist auf jeden Fall ein Mehraufwand. Aber klar ist auch: Egal was, wenn wir es aus Überzeugung und mit Begeisterung machen, dann freuen wir uns über die Zeit, die wir damit verbringen und machen es einfach gerne - sehr gerne.

Die Situationen, vor die uns eine solche Aufgabe stellt, können immer wieder anders sein.
Hier nur ein paar Beispiele:
• Der Pflegehund hat Angst vor der Leine.
• Der Pflegehund ist nicht stubenrein.
• Der Pflegehund geht nicht durch Türen oder auf den Rasen.
• Der Pflegehund verkriecht sich in die hinterste Ecke, sobald jemand kommt.

Ist das schlimm? Wir sagen deutlich: NEIN! Die meisten Stolperfallen sind nach ein paar Tagen abgetragen und wir erleben sehr viele schöne Momente.
Auch dafür gibt es Beispiele:
• Der Pflegehund steht mit wedelnder Rute vor uns.
• Der Pflegehund kommt freudig auf uns zugelaufen.
• Der Pflegehund legt sich vertrauensvoll in unsere Arme oder zu unseren Füßen und lässt sich sogar den Bauch kraulen.
• Der Pflegehund kommt schon nach kurzer Zeit auf Zuruf angeflitzt.
• Einen besonders großen Hüpfer macht unser Herz, wenn der Pflegie anfängt zu flitzebeaglen. Dann rennt er kreuz und quer durch den Garten, schlägt Haken wie ein Hase und freut sich seines Lebens.


Dann stehen uns vor Rührung und Stolz die Tränen in den Augen.


Kann man den Pflegehund dann überhaupt noch abgeben?
Ich könnte das nicht …


Auch eine Aussage, die ich immer wieder höre.

Das ist eine Frage, zu der man sich sicherlich im Vorfeld ein paar Gedanken machen darf. Wir haben selbst zwei Hunde und deshalb ist für uns klar: kein Pflegie wird endgültig bei uns bleiben. Wir begleiten sie sehr gerne durch die ersten Wochen. Wir haben viel Freude daran, schöne Fotos von ihnen aufzunehmen und führen sehr gerne ein Pflegestellentagebuch. Den Interessenten stehen wir selbstverständlich mit vielen Informationen zur Seite und laden sie auch gerne zum persönlichen Kennenlernen ein.

Es ist uns sehr wichtig, den Hund möglichst gut auf den Umzug in seine neue Familie vorzubereiten. Deshalb fahren wir regelmäßig mit ihm Auto, nehmen ihn mit zu Besuch bei Bekannten und sorgen dafür, dass er auch anderen Hundekontakt hat - zum Beispiel beim Beaglespielplatz ( www.beaglespielplatz.de ) und bei gemeinsamen Spaziergängen. Dann können wir den Pflegie mit einem guten Gefühl seiner neuen Familie übergeben.

Ich will nicht verschweigen, dass beim Abschied vom Pflegie auch schon mal Tränen geflossen sind :-(.


Wir bauen halt sofort eine Bindung auf. Jeder Pflegie ist uns wichtig und wir behandeln ihn so, als wäre es unser Hund. Deshalb freuen wir uns sehr darüber, dass wir von vielen Familien Nachrichten zur weiteren Entwicklung unserer Ex-Pflegies bekommen.

Und wer sich nun gar nicht von seinem Pflegebeagle trennen möchte, der muss es ja auch nicht ;-)

Die Pflegestelle ist erste Wahl bei der Übernahme eines Laborbeagle. Wir nennen es dann „Pflegestellenversager“ :-)

Das ist doch die absolut schönste Art, zu versagen :-)


Wir freuen uns über die Zeit, die wir mit unseren Pflegies verbringen konnten und freuen uns auf weitere:
Panjo, Alano und Gojo, Leni, Cody, Valentin, Snoopy, Aiko, Vito und der absolute Herzensbund - der unvergessene Loui :kiss:
LG Elke - mit Fiete und den Langnasen

Zu den schönsten Dingen in unserem Leben gehört es, an unsere Laborbeagle geraten zu sein :-)
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Kairo89 antwortete auf Pflegestelle sein - macht das viel Arbeit?

03 Juli 2016 15:46
#2
Was ein schöner Text....

Liebe Elke,

wir sind jetzt seit ca einem halben Jahr mit der LBH verbunden und haben auch noch keinen Tag, weder als Besitzer der Laborbeagle noch als Pflegestelle, bereut. :)

Bei uns, unglaublich aber wahr, hat bereits der dritte Pflegie Einzug gehalten.

Gut, ich gebe zu, beim ersten Pflegie wurden wir gleich zu Pflegestellenversagern aber bei einem süßen Knopf wie Lewis war das ja voraus zu sehen :unsure: .

Macht Pflegestelle viel Arbeit? Da zitiere ich gerne unsre Vermittlerin von Jones und Lewis "es macht keinen großen Unterschied ob da ein Hund mehr ist" :laugh: das stimmt fast.

Natürlich war es ein Thema in der Familie, es ist keine "one women show" :woohoo: . Aber im Team mit Mann und Kindern ist es schön zu schaffen.

Anders als bei dir Elke, war Don der erste der es vorgeschlagen hat und mich mit ins Boot nehmen musste aber das fiel ihm nicht schwer.

Auch die Jungs waren gleich dabei. Das war eine Erleichterung.

Eine Rollenverteilung für Trainer auf der einen und Kuschelfaktor auf der anderen Seite gibt es bei uns nicht, auch wenn ich zugeben muss das Don eher der konsequent Unkonsequente ist und gerne verwöhnt und kuschelt :whistle: .

Zur Zeit ist Tom als Pflegie bei uns und er fügt sich toll in unsre verrückte Familie ein, wir wünschen ihm ein extra tolles Zuhause weil er wirklich ein ganz besonders feiner Kerl ist und mit bestimmtheit kann ich sagen das unsere Herzen schwer sein werden wenn er weiterzieht.

Ist Pflegestelle schwer? Naja, der Abschied vielleicht ein bisschen.

Das hält uns nicht davon zurück es immer wieder anzubieten denn auch wir möchten der LBH etwas zurück geben dafür das wir mit Jones und Lewis als neue Familienmitglieder mit Gabi als Vermittlerin und Herbert als lieben Überbringer (oder wie in Facebook stand als "Klapperstorch") und Pflegevater nur Positives erfahren durften.

Und was noch wichtig wäre zu erwähnen.....
Ist Pflegestelle schwer und viel Arbeit? Natürlich NICHT wenn man so tolle Unterstützer hat wie dich liebe Elke (demnächst schicke ich dir noch 3m Stoff zum nähen :laugh: ) und natürlich Birgit und viele andere die immer für meine Fragen offen waren.

Liebe Grüße
von einer "Frischling-Pflegestelle"
.....sie nehmen eure Herzen gefangen und lassen Sie überlaufen vor Liebe.
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