... lernt Hans nimmermehr!

Gilt das auch für Hunde? Viele unserer Interessentinnen und Interessenten bevorzugen junge Hunde mit der Begründung, dass diese schneller und besser lernen. Sie befürchten, einem älteren Hund nichts mehr beibringen zu können. Menschen, die einen älteren Hund übernommen haben, wissen, dass das so nicht stimmt.

Lernen ist auch für Hunde ein lebenslanger Prozess. Lernen bedeutet Anpassung an die Umgebung und führt zu Verhaltensänderungen. Wir wollen hier versuchen zu erklären, wie Hunde lernen.

Prägung

"Prägung" bezeichnet Lernprozesse, die in einer zeitlich begrenzten „sensiblen“ Phase stattfinden In dieser Zeit, die bei Hunden in der dritten Lebenswoche beginnt, lernen sie besonders schnell und leicht. Noch kennen sie keine Angst und gehen neugierig und unbefangen auf Neues zu.
Für die Entwicklung des Gehirns, die nach der 16. Lebenswoche weitgehend abgeschlos-sen ist, bedeutet das, dass Nervenzellen vernetzt werden. Einige Nerven bilden spontan und in Folge körpereigener Signale eine Verbindung. Andere suchen einen Muskel, an den sie anknüpfen können. Weitere Nervenverbindungen entstehen als Reaktion auf Signale von außen. Je mehr Signale von außen aufgenommen werden, desto besser werden die Zellen vernetzt.

Was ein Hund in dieser Zeit lernt, kann nie wieder verlernt werden!

Wie verbringen Laborhunde die Prägephase?
Wir wissen, dass die Laborhunde in einer sehr reizarmen Umgebung aufwachsen. Es gibt wenig Signale von außen, der Kontakt zu Menschen ist zwar vorhanden, aber nicht in der Intensität, die wünschenwert wäre und die z. B. gute Züchter sicherstellen. Auf diese Weise bleiben Lernpotenziale der Welpen ungenutzt. Laborhunde dürfen so gut wie nie vor dem Ende der Prägezeit das Labor verlassen.

Klassische Konditionierung

Der russische Physiologe und Nobelpreisträger Iwan Pawlow (1849-1936) war der erste, der das Phänomen der klassischen Konditionierung beschrieb. Pawlow stellte fest, dass ein Hund nicht erst beim Anblick oder beim Geruch von Futter, sondern bereits beim Anblick eines Futternapfes mit vermehrtem Speichelfluss reagiert. Daraus entwickelte er nun sein berühmtes Experiment.

Ausgangssituation:
Unkonditionierter Reiz (Futter) löst unkonditionierte Reaktion (Speichelfluss) aus

Versuchsablauf:
dem unkonditionierten Reiz (Futter) wird ein neutraler Reiz (in diesem Fall ein Klingel-zeichen) in sehr enger zeitlicher Abfolge vorangestellt.

Nach einigen Wiederholungen reagiert der Hund bereits auf das Ertönen des Klingelzeichens mit vermehrtem Speichelfluss, auch, wenn das Futter danach ausbleibt.

So wird aus einem ursprünglich neutralem Reiz (Klingelzeichen) ein konditioniertrer Reiz, der eine konditionierte Reaktion (Speichelfluss) auslöst.

Eine gelernte, konditionierte Reaktion, besteht nicht auf Dauer. Wenn der unkonditionierte Reiz über einen längeren Zeitraum nicht folgt, wird die konditionierte Reaktion geschwächt und irgendwann ganz gelöscht.

operante_konditionierungOperante Konditionierung

Während Pawlow davon ausging, dass Verbindungen zwischen Reizen und Reaktionen gelernt werden, geht es bei der operanten Konditionierung (nach Skinner) darum, dass Verbindungen zwischen Reaktionen und Konsequenzen gelernt werden. Auch diese Form des Lernens wurde im Versuch nachgewiesen.

Dazu wird eine hungrige Ratte in einen schallisolierten Käfig ge-sperrt. Im Käfig befindet sich eine Lampe und ein Hebel. Die Ratte wird früher oder später den Heben in Bewegung setzen, der ihr, sofern das Licht an ist, den Zugang zum Futter ermöglicht.

Bei Dunkelheit funktioniert die Methode dagegen nicht. Die Ratte betätigt nun immer öfter den Hebel, wenn die Lampe an ist. Sie hat aus den Konsequen-zen ihres Verhaltens gelernt.

Das Wissen um die operante Konditionierung kann sich jeder Hundehalter zunutze machen. Es bedeutet, dass positive Verstärkung dazu führt, dass ein bestimmtes Verhal-ten öfter gezeigt wird. Dazu bedarf es einer engen zeitlichen Folge zwischen Verhalten und Konsequenz. Bei Hunden beträgt der Zeitraum, in dem sie eine Konsequenz mit vorher gezeigtem Verhalten verbinden können, gerade mal 2 Sekunden!

Wenn nun positive Verstärkung gewünschten Verhaltens dazu führt, dass es öfter gezeigt wird, bedeutet das nicht im Unkehrschluss, dass negatives Verhalten, wenn es bestraft wird, seltener gezeigt wird?
Obwohl das Prinzip in beide Richtungen funtioniert, ist das Arbeiten mit Bestrafungen nicht frei von Risiken. Es kann zu falschen Verknüpfungen kommen.

Ein Beispiel:
Auf einem Spaziergang kommen uns Kinder entgegen. Der Hund hat sie entdeckt und beginnt zu bellen und an der Leine zu ziehen. Mit einem Leinenruck versuche ich, sein unerwünschtes Verhalten zu unterbinden. Wenn ich Pech habe, verknüpft der Hund nun den für ihn unangenehmen Leinenruck mit der Anwesenheit der Kinder.

Die sicherste Methode ist das Lernen mittels positiver Verstärkung (Lob und Leckerli für gewünschtes Verhalten). Unerwünschtes Verhalten sollte konsequent ignoriert werden. Dabei müssen Sie allerdings darauf achten, dass das Verhalten nicht selbstbelohnend ist. Ein Hund, der soeben erfolgreich die Wurst vom Tisch geklaut hat, hat nichts dabei gelernt, wenn Sie daneben standen und sein Verhalten ignoriert haben. Hier hätten Sie VORHER eingreifen müssen, den Hund mit einem "Nein" von seinem Vorhaben abbringen müssen und ihn anschließend dafür belohnen, dass er seinen ursprünglichen Plan nicht in die Tat umgesetzt hat.

Auch durch positive Verstärkung/Bestrafung Gelerntes ist verlernbar. Bleibt die Beloh-nung/Strafe dauerhaft aus, so wird auch das Lernergebnis langsam wieder gelöscht.

Kontextlernen

Ein Hund, der gerade etwas lernt, nimmt während des Lernens auch Dinge wahr, die nicht zwingend zum Lernen gehören und verknüpft sie mit der Lernsituation. Dazu gehören räumliche Gegebenheiten, Licht, Temperatur, Geräusche, anwesende Menschen und/oder Tiere und vieles mehr.

Ein Besipiel:
Sie üben mit Ihrem Hund "SITZ". Es ist 11 Uhr vormittags, die Sonne scheint durchs Fenster, die Übung findet auf dem Teppich zwischen Ferneher und Couchtisch statt. Sie sind alleine mit dem Hund, der Fernseher läuft, die Raumtemeratur beträgt 21°. Der Hund setzt sich auf das entsprechende Kommando, ggf. verbunden mit einem Handzeichen. Er bekommt dafür eine Belohnung.
Erwarten Sie nun bitte nicht, dass sich der Hund 12 Stunden später bei der letzten Gassirunde mitten in eine Pfütze setzt, wenn Sie das Kommando geben, dass am Vormittag noch so prima funktionierte. Es braucht sehr viele Wiederholungen unter unterschiedlichsten Bedingungen, bis der Hund das Kommando unabhängig von den äußeren Umständen ausführen wird.

Zum Schluss

Lernen funktioniert besser und nachhaltiger in entspannter Atmosphäre. Wenn Sie merken, dass die Konzentrationsfähigkeit Ihres Hundes nachlässt, brechen Sie die Lerneinheit ab. Ihr Hund möchte lieber oft, dafür aber nicht stundenlang lernen.

Eine gute Hundeschule oder ein guter Trainer können Ihnen helfen. Wir wünschen Ihnen viel Freude und Erfolg beim Lernen mit Ihren Hunden!

Text/Copyright: Iris Alberts