taVorab: Unsere Hunde sind in der Regel nicht kastriert, wenn sie das Labor verlassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Tierschutzorga-nisationen überlassen wir die Entscheidung über eine Kastration den Haltern und möchten an dieser Stelle für einen verant-wortungsvollen Umgang mit einem oft sehr emotional diskutierten Thema werben.

Wie auch immer Ihre Entscheidung am Ende aussehen mag - Sie sollten das Für und Wider sorgfältig gegeneianander abwägen und mit einem Tierarzt Ihres Vertrauens besprechen, bevor Sie sich für einen Engriff entscheiden.

Im Folgenden werden wir die Vor- und Nachteile einer Kastration auflisten - die Entscheidung müssen Sie selbst treffen.

Kastration beim Rüden

bedeutet das Entfernen der Hoden und das Durchtrennen des Samenstranges.

Gründe für eine Kastration:

  • der Rüde ist nicht mehr zeugungsfähig
  • unerwünschte, geschlechtsgebundene Verhaltensweisen werden unterbunden
  • Veränderungen der Hoden und der Prostata
  • (z.B. Vergrößerung, Entzündungen oder Zysten)
  • Die Hoden sind nicht abgestiegen und müssen entfernt werden, da das Risiko, dass daraus Tumore entstehen, sehr groß ist


Gründe gegen eine Kastration:

  • Gewichtszunahme (47%)*
  • vermehrter Hunger (46%)
  • Babyfell bei langhaarigen Rassen (32%)
  • Harnträufeln (9%)
  • Verhaltensänderungen
  • bei einer Kastration vor dem Erreichen der Geschlechtsreife sind Auswirkungen auf das Skelettwachstum möglich
  • bei einer Frühkastration werden viele Rüden von Artgenossen als geschlechtsneutral eingestuft und bestiegen. Dieses Verhalten wird von den kastrierten Hunden aber oft nicht toleriert, und kann aggressives Abwehrverhalten zur Folge haben
  • Narkose-Risiko


Die Gewichtszunahme entsteht meistens durch vermehrten Hunger, aber auch bei reduzierter Nahrungszufuhr kann es vorkommen, dass der Hund durch einen direkten Einfluss der veränderten hormonellen Situation auf das Stoffwechselgeschehen zunimmt.

Kastration bei der Hündin

bedeutet das operative Entfernen beider Eierstöcke, wobei die Gebärmutter teilweise oder vollständig mit entfernt wird

Gründe für eine Kastration:

  • keine Läufigkeit mehr, also auch kein Bluten
  • es kann keine Scheinschwangerschaft mehr auftreten
  • kein unerwünschter Nachwuchs
  • wenn die Kastration vor der ersten Läufigkeit durchgeführt wird, entstehen weniger Mammatumor-Erkrankungen (Gesäugekrebs)


Gründe gegen eine Kastration:

  • Harninkontinenz bei 28% der Hündinnen über 20kg
  • Gewichtszunahme (44%)*
  • Babyfell bei langhaarigen Rassen (49%)
  • vermehrter Hunger (40%)
  • Verhaltensänderungen
  • Narkose-Risiko


Die Gewichtszunahme entsteht meistens durch vermehrten Hunger, aber auch bei reduzierter Nahrungszufuhr kann es vorkommen, dass der Hund durch einen direkten Einfluss der veränderten hormonellen Situation auf das Stoffwechselgeschehen zunimmt.

Was Sie von einer Kastration nicht erwarten dürfen:

Es gibt Hundehalter, die glauben, ihre Erziehungsdefizite mit den Skalpell ausgleichen zu können. Das ist ein Trugschluss. Ausschließlich sexuell bedingte Aggression wird durch eine Kastration in der gewünschten Weise beeinflusst. Aggressionen, die auf Angst oder Unsicherheit basieren, können nach der Kastration noch schlimmer auftreten.

Wer sich von einer Kastration einen ruhigeren oder lebhafteren Hund verspricht, kann auch Lotto spielen. Sowohl das eine als auch das andere kann passieren, es ist nicht voher-sagbar.

Als Prophylaxe gegen Mammatumoren bei der Hündin funktioniert die Kastration nur, wenn sie vor der ersten Läufigkeit durchgeführt wird, die auch "Frühkastration" genannt wird.

Frühkastration - sinnvolle Prophylaxe gegen Mammatumoren?

An dieser Stelle sind einige Zahlen aus der Bielefelder Kastrationsstudie von Dr. Gabriele Niepel (2003) interessant:
“Bei unkastrierten Hündinnen erkranken zwischen 1,98 und 2,8 (maximal 18,6) von 1000 Hündinnen, (je nach Alter und Rasse), das entspricht einen Prozentanteil von 0,2 bis maximal 1,8%.
Frühkastrierte Hündinnen haben demgegenüber ein Risiko von 0,0093% nach der ersten Läufigkeit kastrierte Hündinnen tragen ein Risiko von 0,1488%. Entartungen treten zudem in der Regel im späten Lebensabschnitt auf, mit einem Durchschnittsalter von 10-15 Jahren (STOLLA 2001). Angesichts dieser Wahrscheinlichkeit der Erkrankung muss die Frage erlaubt sein, ob der medizinischen Prophylaxegedanke gerechtfertigt ist. Diese Frage drängt sich um so mehr auf, wenn man sich die Wahrscheinlichkeiten der unerwünschter - auch gesundheitlicher - Folgen der Kastration anschaut.
Und: Wer weiß z.B. schon, dass Mammatumoren auch bei kastrierten Hündinnen hormonunabhängig auftreten können und das diese Tumore wesentlich häufiger maligne sind als hormonabhängige der nicht kastrierten Hündin? So ist es z.B. umstritten, ob nichtkastrierte Hündinnen, die an Mammatumoren erkranken, zwecks Rezidivprophylaxe kastriert werden sollen (SCHÄRER 2002)....”

Fazit

Überlegen Sie genau, was im Einzelfall dem Wohl des Hundes dient. Wenn eine medizinische Indikation vorliegt, ist eine Kastration sinnvoll. Sie kann auch sinnvoll sein, wenn bei ihnen sowohl Hündinnen als auch Rüden leben.
Wer es nicht mit seinen Hygienestandards vereinbaren kann, dass die Hündin zweimal im Jahr ein paar Tropfen Blut verliert, sollte sich für einen Rüden entscheiden.

Selbstverständlich müssen Sie auf eine läufige Hündin besonders gut aufpassen - sie gehört in dieser Zeit an die Leine! Das Züchten mit Laborhunden ist aus gutem Grund unter keinen Umständen zulässig.


Text/Copyright: Iris Alberts