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aus unserem Vermittlungsalltag
von Iris Alberts
Welpen "retten"
Seit
wir uns der Vermittlung von Laborhunden widmen,
sind Welpen Dauerthema. Interessenten rufen an,
beschreiben ihre Situation, sind äußerst
bewegt angesichts des Leids der Versuchstiere
und wild entschlossen, einen dieser Hunde zu "retten".
Mit einer klitzekleinen Einschränkung: der
Hund darf höchsten 6 Monate alt sein.
Begründet wird der
Wunsch wahlweise mit kleinen Kindern, die mit
dem Hund aufwachsen sollen, mit bereits vorhandenen
Haustieren, die sich nur mit Welpen vertragen,
mit dem Wunsch, möglichst lange etwas vom
Hund zu haben oder mit der Annahme, dass man erwachsene
Hunde kaum noch oder gar nicht mehr erziehen kann.
Ach ja, und dann sind die Welpen ja auch noch
so unglaublich süüüüüüüüüüß.
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| niedliches
Beaglebaby |
An sich ist der Plan genial:
Man übernimmt einen Rassehund, der keine
Labormacke hat, bezahlt dafür einen Bruchteil
dessen, was ein Züchter verlangt und darf
sich dabei noch als "Retter einer geschundenen
Kreatur" fühlen. Man muss sich nicht
mit dem typischen Verhalten von Laborhunden auseinandersetzen,
die schreckhaft sind und ängstlich und es
mitunter schwer haben, Vertrauen zu fassen. Man
wird nicht gefühlte Stunden im Wald stehen,
weil der Hund am anderen Ende der Leine nicht
bereit ist, auch nur einen Schritt nach vorne
zu machen. Schweißausbrüche angesichts
eines wild zappelnden Hundes, dem gerade der erste
Trecker seines Lebens begegnet ist, sind auch
nicht zu erwarten. Menschen, die einem begegnen
werden nicht mit vorwurfsvoller Miene fragen,
was wir unserem Hund angetan haben, dass er sich
so verhält, wie er sich verhält, sondern
lächelnd ihrer Entzückung im Angesicht
des Hundebabys Ausdruck verleihen. Wenn man dann
ins Gespräch kommt, kann man mit der gebotenen
Ernsthaftigkeit verkünden, dass dies kein
normaler Welpe ist, sondern ein armes Versuchstier.
Spätestens jetzt gehört man zu den Gutmenschen.
Herzlichen Glückwunsch!
Nicht jeder Interessent
ist ein Tierschützer und das erwarten wir
auch nicht. Sollte sich die Motivation jedoch
so klar offenbaren wie in oben beschriebenem Fall,
werden wir ihn freundlich, aber bestimmt an einen
Züchter seiner Wahl verweisen.
Bitte versuchen Sie, auch
unsere Perspektive einzunehmen. Wir tun, was wir
tun, um Hunden zu helfen, die eine Laborvergangenheit
haben. Wir haben viel über diese Hunde gelernt
und bemühen uns, die Übernehmer so gut
wie möglich auf das Tier vorzubereiten. Wir
suchen Menschen, die bereit sind, einem Hund mit
Defiziten ein Zuhause zu geben, die gemeinsam
mit dem Hund lernen und die sich darüber
freuen, wenn es vollbracht ist und der Hund sich
nicht mehr von anderen Hunden mit anderer Vergangenheit
unterscheidet. In vielen Fällen ist Geduld
gefragt. Diese Menschen dürfen dann auch
gerne stolz sein auf sich und ihren Hund. Es sind
gerade die erwachsenen Tiere, die die freundliche
Zuneigung mit großer Dankbarkeit beantworten
und bald angenehme Begleiter sind. Dies sind die
Hunde, die unsere Hilfe brauchen!
Wir werden auch weiterhin
ab und zu Welpen in der Vermittlung haben und
wir werden uns auch weiterhin um ein gutes Zuhause
für sie kümmern. Und wir werden auch
weiterhin sehr kritisch sein bei der Auswahl der
Interessenten. Es gibt definitv einfachere Wege,
an einen Beaglewelpen zu kommen als über
uns!
Sollte einer unserer Welpenübernehmer
dies lesen:
Bitte die Schnappatmung wieder einstellen! Wir
reden nicht von Ihnen! Wir freuen uns, wenn Sie
Freude an Ihrem Hund haben und danken Ihnen für
die Bereitstellung der Nerven, die Welpen kosten.
Sie können diesen Hunden ein wunderbares
und hoffentlich sehr langes Leben an Ihrer Seite
geben. Das alles ist gut und richtig, hat aber
mit der "Rettung" von Laborhunden nicht
das geringste zu tun.