Neben den vielen wunderbaren Vermittlungen unserer Laborbeagle gibt es leider auch fast wöchentlich irgendeinen Notfall, der dann eine schnelle Lösung erfordert und einen Teil des Teams für Stunden und Tage bindet. 
Fanny hat nur noch 7 kg gewogen, als wir sie geholt haben. Nun muss die 14jährige Hundeomi mühsam aufgepäppelt werden. Sie ist nun Dauerpflegehund bei Christiane.
Gegen die Hundehalterin haben wir Strafanzeige erstattet.
Im Fall von Mira und Luzie starb die Halterin und hinterließ die acht und neun Jahre alten Hündinnen in der Obhut eines Familienmitglieds, welches sich Ende Juli an uns wandte mit der Bitte um Rücknahme der Hunde.
So sieht es der Vertrag, den jeder Halter eines LBH-Hundes kennt, vor.
Womit wir nicht gerechnet haben,.....

.....ist der erbarmungswürdige Zustand der beiden Beaglehündinnen. Beide sind nicht nur übergewichtig und veterinärmedizinisch vernachlässigt, sondern schwer krank.
Nach einigen Ermittlungen hat sich inzwischen herausgestellt, dass die Halterin der beiden vor über zwei Jahren an Krebs erkrankte und dann sehr schnell pflegebedürftig wurde. Sie hat sich vor ihrer Krankheit bestens um ihre Hunde gekümmert. Vielleicht bestand schon zu dieser Zeit eine gesundheitliche Disposition zu der gestrigen Diagnose - zu ein paar kleineren Baustellen gesellen sich Fieber, Infektionen, eine schwere Herzerkrankung, ein unbehandelter Diabetes sowie Tumore -, wir wissen es nicht. Mira hat zu allem anderen eine unversorgte Fraktur der Rute, die inzwischen verheilt ist.
Begünstigt wurde all dies aber sicherlich durch eine nicht artgerechte Haltung mit kaum Bewegung, falscher Ernährung und was nicht noch alles. 
Warum hat niemand schon vor einem Jahr Bescheid gesagt? Dass die Familie die beiden nicht behalten will, war da schon klar. Womöglich wäre die Prognose für Luzie und besonders für Mira etwas günstiger ausgefallen und den beiden viel Leid erspart worden. Wir werden auch Mira und Luzie in Dauerpflege übernehmen und hoffen, sie haben noch genug davon - eine bessere Gesundheit, Schutz und Liebe, bitte jahrelang.
Es gibt aber nicht nur die todkranke Halterin, der man kaum einen Vorwurf machen kann. Es gibt eine Familie, die die beiden Hunde versorgt. Mehr schlecht als recht und mit offenbar wenig Empathie, aber sie wurden gefüttert und - nun ja, gehalten.
Es mag plausible Gründe dafür geben, warum man so lange mit der Verständigung unseres Vereines gewartet hat, wir wissen auch dies nicht.
Die Frau lebte nicht auf einer Insel. Ganz sicher gab es auch in diesem Fall mit Tierschutzrelevanz eine Menge Menschen, die rund zwei Jahre lang mitbekommen haben, wie die beiden Beagle verlotterten.
Wir zerbrechen uns die Köpfe, wie man solch einen Verlauf verhindern kann. Ein Vertragspassus ist immer so viel wert wie die Menschen, in deren Verantwortung dies alles liegt. Wir haben mehrere hundert Hunde vermittelt und geben uns Mühe, den Kontakt zu den Haltern nicht abreißen zu lassen. Es gelingt nicht immer, und man muss den Leuten auch vertrauen dürfen. In Fannys Fall war es die Tierklinik, die uns verständigt hat. Bei Mira und Luzie war es hingegen einfach die Not, die Hunde schnell und ohne viele Fragen abgeben zu müssen. Die meisten unserer Halter sind verantwortungsbewusst und sehr kompetent. Die meisten teilen uns mit, wenn sie umziehen, wenn sich Umstände ändern, wenn mit dem Hund irgendetwas unklar ist. Aber wir fragen uns: wie viele gehen uns durch die Lappen? Es fragt leider nicht jeder nach Herkunft, Vertrag und Integrität. 
Unsere dringende Bitte an euch alle:

Wenn ihr mitbekommt, dass ein Tier -egal, ob Hund, Pferd, Katze, Hamster oder eben einer unserer Beagle - nicht (mehr) so gehalten wird, wie es sein sollte oder sogar erkennbar in Not ist, wartet nicht zu lange.

Wartet nicht drauf, dass sich jemand anderer erbarmt. Ruft jemanden an, den Tierschutz, den Veterinär, das Ordnungsamt, oder schreibt eine Mail, einen Brief, aber tut es nicht anonym, sonst landet die Sache gleich in der Ablage "P".
Seht nicht weg! Fanny hat wertvolle Lebenszeit bei einem Bekannten der Halterin in einem Käfig verbringen müssen, weil sich niemand zuständig fühlte. Für Mira ist es vielleicht schon zu spät, weil wichtige Monate ins Land gingen. Luzie wird sich wohl erholen, aber es tut einem weh, sich zu überlegen, wie die beiden ihr Leben in der letzten Zeit verbracht haben. Für manche Hunde fängt die Leidenszeit erst nach dem Labor an, weil der Halter (oder die vom Halter bestimmte Person) nicht weiß, was er tut oder wann es Zeit ist, aufzuhören.

Wenn euch euer Hund zu viel wird, überlegt euch bitte frühzeitig eine Lösung, holt euch Hilfe, die gibt es nämlich! Die Gründe sind nicht wichtig, Überforderung hat viele Gesichter, und vollkommen ist nunmal niemand. 
Erwartet aber bitte nicht, dass euch die Bereinigung eurer Schwierigkeiten hundertprozentig gefällt, und auch nicht, dass innerhalb 24 Stunden alles geritzt ist, das geht leider nur im Kino. Die Situation hat vermutlich Wochen, wenn nicht Monate gebraucht, um sich zu entwickeln. Hunde eskalieren nicht von heute auf morgen. Zeit genug also, etwas zu unternehmen.

 Im Falle einer Erkrankung ist es ratsam, eine entsprechende Verfügung zu treffen und die Angehörigen rechtzeitig über eine Rückgabe an den Verein ins Bild zu setzen. Wir erwarten keineswegs, dass jede Familie nach einem Todesfall den hinterlassenen Beagle mit Freudestrahlen übernimmt, jeder weiß, das es Umstände gibt, die nicht kompatibel zum Hund sind. Erst recht, wenn es sich um mehrere Hunde handelt. 
Wenn Hunde vernachlässigt werden, ausgesetzt, misshandelt oder falsch ernährt (das heisst in diesem Kontext: unterernährt oder aber adipös) werden, kann es erforderlich sein, Strafanzeige wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu erstatten. Habt vor so einem Schritt keine Angst! 

Überlegt haben sollte man sich das selbstverständlich schon gut. 
Tierschutz schreibt sich heute ja fast jeder gern auf die Fahne, und das Aufschreien in diversen Facebookgruppen ist schnell mal ins Smartphone getippselt.  Genug (Zivil-)Courage, um im konkreten Fall auch etwas zu unternehmen, haben leider nur die wenigsten Menschen.

Dabei würde oft schon ein Anruf an der richtigen Stelle ausreichen. Und wenn nicht: ein bisschen Mühe und Gedanken machen ist schon jedem zuzumuten, auch, wenn es vielleicht ein klein wenig Geschimpfe und Ärger mit echten Menschen nach sich zieht.

Wir sind alle auf vielerlei Art vernetzt, und das ist gut so. Man muss noch nicht mal ganz allein irgendwo tätig werden, Unterstützung und die richtigen Wege lassen sich finden, wenn man sich ein bisschen bemüht ;-)

Bitte: wartet nicht, bis es zu spät oder zu schwierig ist, ob beim eigenen Tier oder bei fremden, bei welchen in der Nachbarschaft oder bei Bekannten, Freunden, Verwandten. Es geht um das Tier, vielleicht seid ihr die letzte aller Chancen.