Postanschrift: Laborbeaglehilfe e.V.
z. Hd. Gisela Wertich
Keilerweg 1
D - 35428 Langgöns
Paula muss gehen
von Iris Alberts
Hunde,
die aus welchen Gründen auch immer nicht in der
Familie bleiben können, an die wir sie vermittelt
haben, müssen an uns zurückgegeben werden.
Das steht so im Vertrag und soll die Hunde davor bewahren,
planlos von einem zum nächsten Halter zu wandern.
Heute hat
es Paula endgültig erwischt - sie kam zu uns
zurück. Vor gerade mal 5 Wochen zog Paula bei
ihrer Familie ein. Zunächst klang alles sehr
euphorisch: Paula entwickelte sich schneller als erwartet
und war sogar stubenrein. Leider nur für die
ersten 14 Tage. Danach passierte täglich ein
kleines Malheur. Eine Woche später war es dann
soweit: man fühlte sich mit der Hündin überfordert
und bat uns, sie zurückzunehmen. Wir verabredeten,
eine geeignete Stelle für Paula zu suchen. Zwei
Tage später unerwartet Entwarnung: Paula kann
doch bleiben, das Problem mit der Stubenreinheit wird
man schon in den Griff bekommen.
Durchatmen
- und Daumen drücken, dass es dabei bleibt. Knapp
zwei Wochen später dann erneut ein Anruf: nix
geht mehr, Paula muss weg. Sie ist immer noch nicht
stubenrein, außerdem hat sie panische Angst
vor Kindern. Das Leben in der Großstadt ist
offenbar zu viel für sie. Wir haben verstanden
- und suchen nach einer neuen Stelle für Paula.
Diesmal in ländlicher Umgebung, weit weg von
Kindern. Wir finden solch einen Platz in unserer Interessentenliste.
Alles passt: kein Lärm, keine Kinder, keine Treppen,
eigener Garten und Paula ist willkommen. Wir weisen
ausdrücklich darauf hin, dass Paula NICHT zuverlässig
stubenrein ist. Paulas Umzug steht nichts mehr im
Weg, er soll in den nächsten Tagen erfolgen.
Zu unserer
Überraschung teilt uns Paulas alte Familie nun
mit, dass Paula doch bleiben soll. Diesmal ist es
wirklich endgültig, der Familienrat hat getagt
und Paula verrichtet seit einigen Tagen ihre Geschäfte
draußen.
Wit trauen
dem Frieden nicht wirklich, freuen uns andererseits,
dass Paula der Umzug erspart bleibt und sagen den
neuen Interessenten ab.
Die Entscheidung
hält genau einen Tag. Dann pinkelt Paula auf
die soeben gereinigte Teppichbrücke und veranlasst
so ihre fristlose Entlassung. Auch bei uns sinkt die
Neigung zu Diskussionen. Wir machen es kurz und holen
Paula ab.
Die Interessentin,
der wir gestern abgesagt hatten, zweifelt wahrscheinlich
an unserer Zurechnungsfähigkeit, ist aber nach
wie vor bereit, Paula zu übernehmen. Die Übergabe
wird in wenigen Tagen stattfinden. Bis dahin ist Paula
bei uns. Paula ist eine sehr freundliche Hündin,
geht schon recht ordentlich an der Leine, versteht
sich mit anderen Hunden und hat es gern, gestreichelt
zu werden.
Definitiv
ging es ihr bei ihrer ersten Familie nicht schlecht!
Umso weniger verstehe ich, warum sie nicht bleiben
konnte. (Ich muss auch nicht alles verstehen!) Was
ist ein bisschen Pipi auf der Teppichbrücke im
Vergleich zu dem, was uns die Hunde geben? Und warum
erkennt das nicht jeder? Ich fürchte, diese Frage
bleibt bis auf Weiteres unbeantwortet.
Zu
Paulas Vorgeschichte:
Paula
war 7 (sieben!) Jahre ihres Lebens Zuchthündin
im Labor. Sie lebte dort im Harem und hat vermutlich
sehr viele Welpen geboren. Sieben Jahre konnte sie
pinkeln, wohin sie wollte. Auslauf oder Spaziergänge
hat sie nie gehabt. Sieben Jahre hat sie klaglos funktioniert
und getan, was von ihr verlangt wurde.
Dann
durfte sie raus. Und hatte damit alle Chancen auf
ein besseres Leben. Auf Menschen, die ihr die Zeit
geben, die sie braucht, um sich an ein Leben in einer
Familie zu gewöhnen. Paula wird ihre Familie
bekommen. Es tut mir leid, dass das nun auf Umwegen
passiert. Zum Glück sind Hunde große Opportunisten
und immer wieder bereit, sich neuen Situationen anzupassen.
Und immer wieder bereit, Menschen zu vertrauen, auch,
wenn ihre Erfahrungen wenig Anlass dazu geben.
UPDATE
28.03.2008
Paula
ist nach Thüringen umgezogen! Dort wurde
sie von einer sehr netten Frau herzlich empfangen.
Sofort begann Paula, das Haus und den Garten zu erkunden.
Ihr neues Zuhause gefällt ihr gut und wir sind
sehr froh, sie dort untergebracht zu haben.