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Paula muss gehen

von Iris Alberts

Hunde, die aus welchen Gründen auch immer nicht in der Familie bleiben können, an die wir sie vermittelt haben, müssen an uns zurückgegeben werden. Das steht so im Vertrag und soll die Hunde davor bewahren, planlos von einem zum nächsten Halter zu wandern.

Heute hat es Paula endgültig erwischt - sie kam zu uns zurück. Vor gerade mal 5 Wochen zog Paula bei ihrer Familie ein. Zunächst klang alles sehr euphorisch: Paula entwickelte sich schneller als erwartet und war sogar stubenrein. Leider nur für die ersten 14 Tage. Danach passierte täglich ein kleines Malheur. Eine Woche später war es dann soweit: man fühlte sich mit der Hündin überfordert und bat uns, sie zurückzunehmen. Wir verabredeten, eine geeignete Stelle für Paula zu suchen. Zwei Tage später unerwartet Entwarnung: Paula kann doch bleiben, das Problem mit der Stubenreinheit wird man schon in den Griff bekommen.

Durchatmen - und Daumen drücken, dass es dabei bleibt. Knapp zwei Wochen später dann erneut ein Anruf: nix geht mehr, Paula muss weg. Sie ist immer noch nicht stubenrein, außerdem hat sie panische Angst vor Kindern. Das Leben in der Großstadt ist offenbar zu viel für sie. Wir haben verstanden - und suchen nach einer neuen Stelle für Paula. Diesmal in ländlicher Umgebung, weit weg von Kindern. Wir finden solch einen Platz in unserer Interessentenliste. Alles passt: kein Lärm, keine Kinder, keine Treppen, eigener Garten und Paula ist willkommen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass Paula NICHT zuverlässig stubenrein ist. Paulas Umzug steht nichts mehr im Weg, er soll in den nächsten Tagen erfolgen.

Zu unserer Überraschung teilt uns Paulas alte Familie nun mit, dass Paula doch bleiben soll. Diesmal ist es wirklich endgültig, der Familienrat hat getagt und Paula verrichtet seit einigen Tagen ihre Geschäfte draußen.

Wit trauen dem Frieden nicht wirklich, freuen uns andererseits, dass Paula der Umzug erspart bleibt und sagen den neuen Interessenten ab.

Die Entscheidung hält genau einen Tag. Dann pinkelt Paula auf die soeben gereinigte Teppichbrücke und veranlasst so ihre fristlose Entlassung. Auch bei uns sinkt die Neigung zu Diskussionen. Wir machen es kurz und holen Paula ab.

Die Interessentin, der wir gestern abgesagt hatten, zweifelt wahrscheinlich an unserer Zurechnungsfähigkeit, ist aber nach wie vor bereit, Paula zu übernehmen. Die Übergabe wird in wenigen Tagen stattfinden. Bis dahin ist Paula bei uns. Paula ist eine sehr freundliche Hündin, geht schon recht ordentlich an der Leine, versteht sich mit anderen Hunden und hat es gern, gestreichelt zu werden.

Definitiv ging es ihr bei ihrer ersten Familie nicht schlecht! Umso weniger verstehe ich, warum sie nicht bleiben konnte. (Ich muss auch nicht alles verstehen!) Was ist ein bisschen Pipi auf der Teppichbrücke im Vergleich zu dem, was uns die Hunde geben? Und warum erkennt das nicht jeder? Ich fürchte, diese Frage bleibt bis auf Weiteres unbeantwortet.

Zu Paulas Vorgeschichte:

Paula war 7 (sieben!) Jahre ihres Lebens Zuchthündin im Labor. Sie lebte dort im Harem und hat vermutlich sehr viele Welpen geboren. Sieben Jahre konnte sie pinkeln, wohin sie wollte. Auslauf oder Spaziergänge hat sie nie gehabt. Sieben Jahre hat sie klaglos funktioniert und getan, was von ihr verlangt wurde.

Dann durfte sie raus. Und hatte damit alle Chancen auf ein besseres Leben. Auf Menschen, die ihr die Zeit geben, die sie braucht, um sich an ein Leben in einer Familie zu gewöhnen. Paula wird ihre Familie bekommen. Es tut mir leid, dass das nun auf Umwegen passiert. Zum Glück sind Hunde große Opportunisten und immer wieder bereit, sich neuen Situationen anzupassen. Und immer wieder bereit, Menschen zu vertrauen, auch, wenn ihre Erfahrungen wenig Anlass dazu geben.

UPDATE 28.03.2008

Paula ist nach Thüringen umgezogen! Dort wurde sie von einer sehr netten Frau herzlich empfangen. Sofort begann Paula, das Haus und den Garten zu erkunden. Ihr neues Zuhause gefällt ihr gut und wir sind sehr froh, sie dort untergebracht zu haben.

Hier sind ein paar Fotos:

 

 

 
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