Bolle, Othello, Murphy
Die Vermittlung von Laborbeaglen in die richtige Familie ist manchmal trotz aller gut durchdachten Vermittlungskriterien schwierig.Wie in der Vermittlung von Othello. Im ersten Moment war augenscheinlich alles perfekt: die Familie, die Othello bei sich aufnehmen wollte, hat ein Einfamilienhaus mit grossem Garten, ein Kind, 14 Jahre alt, die Mutter ist teilzeit beschäftigt..
Jeder denkt, na das ist doch klasse, so möchte jeder Hund gerne wohnen!
Die Familie versicherte uns in mehreren Gesprächen, dass sie es sich gut überlegt hätten und dass alle Fragen geklärt sind. Die Vorbereitungen waren abgeschlossen und jetzt warteten sie gespannt und voller Vor-freude auf den für sie bestimmten Hund. Ein Rüde, 1 Jahr alt, der zu der Zeit noch Bolle genannt wurde und seit kurzem bei den Dieckmans in vorübergehender Pflege lebte. Dort war er anfangs sehr ängstlich und hat die ersten 2 Tage im Garten hinter dem Komposthaufen gesessen und sich nicht raus getraut.
In den folgenden 2 Wochen hat er sich dann aber zu einem aufgeweckten kleinen Kerlchen entwickelt, so dass einer Vermittlung nichts im Wege stand.
Wir brachten ihn dann am 01.07.2007 zu der Familie, in der er sich nach anfänglicher Schüchternheit begann, das Haus zu inspizieren und vorsichtig Kontakt zu den neuen Menschen aufnehm. Mit einem guten Gefühl verabschiedeten wir uns von der Familie und von Bolle, der ab sofort Othello hieß und wünschten ihm alles Glück dieser Welt für sein neues Leben.Nachdem wir in der Regel in den ersten Tagen nach der Vermittlung ein Feedback der neuen Besitzer bekommen, wunderten wir uns, dass sich die Familie bis Freitag noch nicht bei einem von uns gemeldet hatte. Da beschloss ich, einfach mal anzurufen um zu fragen, wie es so mit Othello läuft.
In diesem Gespräch erzählte mir das neue Frauchen, dass mit Othello alles bestens sei, er macht nichts kaputt, ist so gut wie stubenrein, zieht nicht an der Leine, frisst sein Trockenfutter ohne Probleme und ist schon viel zutraulicher geworden als noch am ersten Tag. In den ersten 2 Tagen war es wohl mit dem Sohn der Familie zu kurzen Problemen gekommen, weil er sich überfordert fühlte und nicht wusste, wie er das alles schaffen soll, wenn die Schule wieder losgeht. Aber das hatten die Eltern mit ihm in Ruhe besprochen und das sei aus der Welt geschafft, versicherte sie mir.
Natürlich hatte sie auch noch ein paar Fragen, die erst im täglichen Leben aufgekommen sind, und die habe ich ihr so gut wie möglich beantwortet.
Als wir uns verabschiedeten, war sie zuversichtlich, dass alles gut wird und hatte sich auch schon nach einer privaten Hundetrainerin umgeschaut, damit sie nichts falsch macht.
Mit einem relativ guten Gefühl und dem Angebot, sie könne sich jederzeit gerne an mich oder ein anderes Teammitglied wenden, wenn sie Fragen oder Probleme hat, verab-schiedete ich mich ins Wochenende.
Und dann kam alles ganz anders.
Am Sonntag morgen um 8 Uhr klingelte dann bei mir das Telefon und Othellos Frauchen war dran. Sie sagte, sie hätten in der letzten Nacht von 3 Uhr an alle zusammen im Bett gesessen und geweint, weil sie der Meinung sind, dass sie Othello nicht gerecht werden. Ich versuchte, herauszufinden, wo das Problem liegt, was ihr Plan ist und wie wir ihnen helfen können.
(Es ist mir bis heute nicht ganz klar, was ganz genau das Problem war, aber ich denke nicht, dass die Familie die Entscheidung leichtfertig getroffen hat. Das erkennt man auch daran, dass sie sich nach seinem Auszug schon mehrfach nach seinem Befinden erkundigt haben.) Fakt war, Othello konnte nicht dort bleiben!!!
Dann habe ich kurzer Hand Interessenten aus Bochum angerufen und gefragt, ob sie schon sehr kurzfristig Othello übernehmen können, was auch kein Problem war.
Also bin ich am Montag nach Warendorf gefahren und habe den Kleinen da wieder abgeholt. Die Familie hat sich von ihm verabschiedet und ich bin losgefahren.
Murphy in Bochum
Nach nicht mal einer Stunde Fahrzeit sind wir dann in Bochum angekommen und Othello ist ganz interessiert aus der Box gesprungen und hat sich erstmal umgeschaut. Die neue Familie wohnt in einer schönen Mietwohnung in der ersten Etage. Das neue Frauchen arbeitet nur 15 Std. in der Woche und dann ist der Mann zuhause. Sie haben schon Hunde-erfahrung und in der Familie bereits einen Laborbeagle. Sie sind sehr vorsichtig auf Othello (jetzt Murphy) zugegangen und das Eis war sofort gebrochen.Nach der ersten Nacht im nun hoffentlich endgültigen Zuhause hat das neue Frauchen mich angerufen um zu sagen, dass er sich gut macht und dass in der Nacht nur das Kauen auf dem Schweineohr vom Nachmittag zu hören war. Er ist bis jetzt stubenrein und hat sich schon einen festen Platz auf dem Sofa gesichert.
Wir alle - und ganz besonders ich - hoffen, dass (Bolle, Othello, Murphy) jetzt sein end-gültiges Zuhause gefunden hat und dort noch viele schöne Jahre mit der neuen Familie verbringt.
Alles Gute, Kleiner!
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