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Home Das Leben mit dem Hund Erziehung Ausdrucksverhalten

Das Ausdrucksverhalten des Hundes

b_schoeningAm 30.06.2007 veranstaltete die Laborbeaglehilfe in Stelle ein Semiar zum Ausdrucksverhalten von Hunden. Referentin war Dr. Barbara Schöning. Dr. Schöning ist Verhaltens-therapeutin und Autorin zahlreicher Bücher zum Thema.

Nach dem theoretischen Teil folgten einige Übungen auf dem sicher eingzäunten Gelände neben der Tagungsstätte.

Es war eine gelungene Veranstaltung, die keiner der TeilnehmerInnen ohne neue Erkenntnisse verließ.

Wir möchten Ihnen hier eine kurze Zusammenfassung des Theorieblocks geben:


In der Sozialisationsphase (4. bis Ende 12./14. Lebenswoche) lernt der Hund die "Spielregeln" innerhalb der Gruppe. Es ist die Zeit, in der das Gehirn extrem wächst und beginnt, differenzierter zu arbeiten. Auch die Neurotransmittersysteme werden in dieser Zeit geeicht.

Das Sozialverhalten von Hunden, das sich in der Evolution entwickelt hat, verfolgt im Wesentlichen vier Ziele:

  • Optimierung der biologischen Fitness
  • Bedarfsdeckung
  • Schadensvermeidung
  • Optimierung des eigenen Zustands

Dabei geht es stets um den Zugriff auf Ressourcen :

  • Futter, Wasser, Territorium, soziale Gruppe, Fortpflanzungspartner, Status, intakter eigener Körper;...

Der mögliche oder tatsächliche Verlust von Ressourcen verursacht Angst, Frustration und Stress beim Hund. (Physiologisch sind Angst, Frustration und Stress kaum zu unterscheiden.) Aggression ist eine mögliche Reaktion darauf und gehört zum normalen Verhaltensrepertoire.

Ein Beispiel:
Der Hund hat sich mit seinem Kauknochen auf sein Lager zurückgezogen. Nun komme ich und versuche, ihm den Knochen wegzunehmen. Er wird mein Ansinnen als Zugriff auf seine Ressourcen verstehen und versuchen, mich von meinem Vorhaben abzuhalten. Dazu wird er knurren, um deutlich zu signalisieren, dass ihm diese Ressource wichtig ist und er nicht bereit ist, sie kampflos herzugeben. Reagiere ich nicht auf diese Warnung, wird er im nächsten Schritt nach mir schnappen. Das ist völlig normales Hundeverhalten. Ein Hund kann lernen, mir den Knochen zu überlassen. Eine einfache Methode hierzu ist das Anbieten eines Tausches.
Wenn der Hund mehrfach erfahren hat, dass es ein gutes Geschäft für ihn ist, den Knochen abzutreten, wird er ihn ohne Porbleme hergeben.


Hierachrchische Strukturen...
...in Gruppen sind notwendig, um die biologische Fitness jedes einzelnen sicherzustellen. Jeder muss einen Platz kennen, Energie wird nicht unnötig vergeudet. Nur so kann gewährleistet werden, dass man als Gruppe erfolgreich ist.
Hierarchie bedeutet ein System von Dominanz-Subdominanz-Beziehungen, wobei diese Beziehungen immer zwischen zwei Individuen bestehen. Es ist denkbar, dass A gegenüber B dominant ist, so wie B gegenüber C dominant ist, gleichzeitig aber C gegenüber A dominant ist.
Dominanz hat nichts mit Druck zu tun, im Gegenteil: Autorität im Rudel zeichnet sich durch Souveränität aus. Auch der Submissive akzeptiert seinen Part.

Das Verhalten in einer Bedrohungssituation
In einer empfundenen oder tatsächlichen Bedrohungssituation hat ein Hund eine Reihe von Möglichkeiten (4 F's):

  • Fight (Angriff)
  • Flight (Flucht)
  • Freeze (bewegungsloses "Einfrieren")
  • Flirt (der Versuch, das Ganze freundschaftlich zu regeln)

Nicht immer wird er sich klar für eine der Möglichkeiten entscheiden können.

Kommunikationsziele und -formen
Die Kommunikation in der Gruppe ist komplex und dient dazu, das Mit- oder Gegenein-ander zu regeln. Die Fähigkeit, bestimmte Verhaltensweisen zu zeigen, ist angeboren; diese bei anderen zu erkennen und zu wissen, wann man selbst welches Verhalten einsetzen muss, ist erlernt.

Hunde haben viele Kommunikationsmöglichkeiten:

  • taktile Kommunikation (im Nahbereich)
  • akustische Kommunikation (im Nah- und Fernbereich)
  • olfaktorische Kommunikation (über große zeitliche und räumliche Entfernungen hinweg)
  • optische Kommunikation (Ausdruck, Mimik)

Kommt es zu sozialer Annäherung (abstandsverringerndem Verhalten), kann ein Hund mit

  • akiver Unterwerfung (aktiv deshalb, weil sie vom Hund gewählt ist und nicht erzwungen)
  • Imponieren (Stärke demonstrieren ohne offensiven Konflikt mit Körperkontakt)
  • Deeskalation als Reaktion auf Drohverhalten
  • passiver Demut
  • oder starkem Abwehrdrohen

reagieren. Eine weitere Möglichkeit, mit Stress umzugehen, sind Übersprunghandlungen, die eigentlich keine adäquate Reaktion auf die Situation darstellen (Schnuppern, sich kratzen oder lecken, Gähnen, etc.).
 
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