Wie erreiche ich die Aufmerksamkeit meines Hundes
Unter dieser Fragestellung stand die zweite Veranstaltung der Laborbeagle-hilfe in 2007. Als Referent konnten wir Michael Grewe gewinnen. Wer dachte, dass es einen ganz besonderen Trick gibt, um mit seinem Hund besser umgehen zu können, wurde enttäuscht. Wer aber offen für andere Ansätze in der Hundeerziehung ist, der sah sich im ersten Teil der Veranstaltung mit einer Zahl von interessanten Thesen und Erkenntnissen konfrontiert und entdeckte für sich auch neue Sichtweisen und Wertigkeiten.Kernpunkt des Tages war das Thema „Orientierung, oder „Wer achtet eigentlich auf wen?“ Nicht immer stieß der Ansatz von Michael Grewe auf den ungeteilten Beifall der Teilnehmer. Aber auch für die Menschen gilt, dass der Lernerfolg am Größten ist, wenn wir uns kritisch mit einem Thema auseinandersetzen!
Da Lesen nicht das Erleben ersetzen kann, stellen wir Im Folgenden nur einige Punkte aus diesem Seminar kurz vor:
- Angst ist mit Fluchttendenz verbunden und häufig nicht objektgebunden.
- Furcht ist objektgebunden
- Unsicherheit resultiert häufig aus Nichtwissen, welches Verhalten angemessen ist
- Angst und Aggression sind immer soziale Mechanismen. Interaktions- und gruppenabhängig
- Verändert Euer eigenes Verhalten und beobachtet die Wirkung auf den Hund. Stellt Euch die Frage: Ist mein Verhalten mit dem Hund situativ förderlich im sozialen System?
- Orientierung am Menschen heißt nicht, sich eine Frikadelle an die Backe nageln oder das Spielzeug schwingen. Diese Orientierung ist dann objektgebunden und der Mensch austauschbar je nach Nahrung oder Spielzeug. Die Orientierung am Menschen hängt nicht vom Equipment, sondern von der Persönlichkeit ab.
- Souveräne und selbstsichere Menschen erleichtern ängstlichen Hunden die Orientierung. Allein gelassen, entwickelt der Hund eigene Strategien.
- Sozial kompatibles Verhalten ist nicht gleichzusetzen mit andressiertem Sozialverhalten
- Änderung der Strukturen bewirken Änderungen im sozialen System und im Verhalten. Hunde manipulieren sehr geschickt durch Lernen am Erfolg. Hunde ändern heißt, sich selber ändern.
- Emotionale Nähe des Menschen schafft emotionale Distanz des Hundes. Emotionale Distanz schaffen können, schafft emotionale Nähe des Hundes.
- Hunde entspannen sich, wenn sie sozial ihre Funktion erfahren
- Hunde haben einfache Strukturen und brauchen einfache Lösungen.
- Um für den Hund jemand zu sein, muss ich ihn nicht niedermachen. Ich muss mich selbst reduzieren, um mich dadurch zu erhöhen.
- Sich aus der Verantwortung dem Hund gegenüber zu stehlen, ist unsozial!
Strategisch geht Michael Grewe in vier Schritten vor:
- Häusliches Management:
- Die Strukturen im sozialen Zusammenleben von Hund und Mensch werden so stark geändert, dass der Hund sich Fragen stellen und neu orientieren muss.
- Außerhäusliches Management:
- Der Hund lernt durch gezieltes Leinentraining, sich an seinem Menschen zu orientieren.
- Außerhäusliches Management:
- Im täglichen Training werden Stellvertreter – Konflikte inszeniert
- Außerhäusliches Management:
- In diesem Prozessschritt lernt der Hund, sich auch im Freilauf am Menschen zu orientieren
Nach diesem Einstieg in die Problematik wurde der zweite Schritt des Prozesses, das gezielte Leinentraining, anschaulich demonstriert. Natürlich konnte dieser Workshop nicht alle Fragen beantworten, sondern nur einen Einblick in eine Vorgehensweise geben.
Informationen zur Person Michael Grewe:
Er arbeitet seit über zwanzig Jahren professionell mit Menschen und Hunden. Die hier gewonnenen Erfahrungen setzt er in effizienten Lösungsansätzen ein. Er ist entscheiden an der Entstehung des Berufsbildes „Hundetrainer und Verhaltensberater“ in Deutschland und Europa beteiligt. Neben seiner beratenden Tätigkeit im Bereich der Dienst-, Blinden- und Rettungshundeausbildung ist er anerkannter Sachverständiger für den so genannten „Wesenstest“. Vor Jahren gründete er gemeinsam mit Dr. Erik Zimen das CANIS – Zentrum für Kynologie, eine Ausbildungseinrichtung für professionelle Hundetrainer.
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