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Postanschrift:
Laborbeaglehilfe e.V.
z. Hd. Gisela Wertich
Keilerweg 1
D - 35428 Langgöns |
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Die ersten Wochen
Grundsätzlich können
wir sicherlich kein Patentrezept liefern, welches
hundertprozentig garantiert, dass jeder Laborhund
in ein paar Stunden in jeden denkbaren Haushalt integriert
werden kann, sofort alle Befehle versteht und natürlich
auf Knopfdruck reagiert. Wer das erwartet, sollte
hier aufhören, weiter zu lesen und am besten
ganz auf einen Beagle verzichten.
Wir können aber sehr wohl
Erfahrungen weiter geben, die geholfen haben, den
Neuankömmlingen ihr Einleben zu erleichtern.
Diese Erfahrungen erheben keinen Anspruch auf Perfektion,
sondern werden ständig überprüft und
erweitert. Für Anregungen sind wir dankbar.
Erfahrung I:
Gib dem Laborbeagle Zeit und Ruhe!
Für den Laborbeagle bedeutet
der plötzliche Umzug vom Labor in den Haushalt
in etwa dasselbe, als würde man uns im Schlaf
entführen und wir würden am nächsten
Tag aufwachen in einem fremden Erdteil oder auf einem
fremden Planeten mit fremden Lebewesen, einer fremden
Kultur mit anderen Regeln und Normen, einer unbekannten
Sprache und einer unbekannten Umwelt mit fremden Gerüchen,
Geräuschen und Bildern.
So wie wir Menschen reagieren
auch die Laborbeagle unterschiedlich
auf die Veränderung: Die extrovertierten und
selbstbewussten Hunde marschieren los und erkunden
neugierig ihre Umgebung, die ängstlichen Hunde
reagieren vorsichtig und scheu.
Generell gilt: Der Hund bestimmt das Tempo der Kontaktaufnahme
! Je nach individuell ausgeprägter Stressresistenz
wird sich auch die Zeit der Annäherung von Hund
zu Hund unterscheiden.
Ungünstig zum schnellen
Aufbau einer guten Beziehung von Menschen und Laborhund
ist aber sicherlich folgende Situation: Ein verängstigter
Hund zieht ein und wird sofort von möglichst
vielen Erwachsenen und kreischenden Kindern lautstark
begrüßt und begrapscht. Genauso ungünstig
ist es, wenn während der Anfangszeit lautstarke
Feste stattfinden, die den Hund nachhaltig verängstigen.
Am besten fährt man wohl
mit der Strategie, den Hund kommen zu lassen und negatives,
sprich überängstliches Verhalten nicht durch
übertriebene Aufmerksamkeit zu belohnen und damit
zu verstärken, sondern im Gegenteil zu ignorieren,
sich so zu verhalten, als wäre alles normal (was
es ja auch ist), im Gegenzug positives Verhalten,
sprich Annäherung mit sanfter Stimme zu loben
und damit zu verstärken. Vertrauen Sie der Natur:
Der Beagle wird kommen! Er
ist ein Meutehund und kann nicht anders: Er will dazugehören,
traut sich nur noch nicht. Und das braucht Zeit. Also:
Geduldig und gelassen bleiben !
Ein Hinweis noch: Zeit und
Ruhe geben heißt nicht, den Laborhund lange
allein zu lassen. Gerade in der ersten Zeit sollte
der Hund einen Ansprechpartner im Haus haben, der
ihm die Gewöhnung an die neue Lebenssituation
erleichtert.
Erfahrung II:
Unsicherheit lässt sich reduziern!
Ein Laborbeagle,
der in eine neue Umgebung kommt, befindet sich in
einem Konflikt: Einerseits möchte er dazugehören,
andererseits fehlt ihm die Erfahrung, ob und wem man
trauen kann. Dieser Widerspruch macht unsicher und
in unterschiedlicher Ausprägung vorsichtig und
ängstlich. Ziel muss also sein, Unsicherheit
abzubauen, Sicherheit aufzubauen und Vertrauen zu
schaffen und so die Eingewöhnung zu erleichtern
und zu beschleunigen. Vertrauen entsteht durch positive
Erfahrungen. Folgende Maßnahmen erleichtern
nach unserer Erfahrung dem Laborhund das Einleben:
-
Schlaf
bei deinem Hund !
Soll bedeuten:
Eine Möglichkeit, dem Hund Gelegenheit zu geben,
sich dem/den neuen Menschen zu nähern, ist,
die erste Nacht oder die ersten drei Nächte
bei dem Hund zu verbringen. Das bedeutet nicht,
direkt neben dem Hund zu nächtigen, sondern,
im selben Raum zu schlafen. Ein schlafender, ruhender
Mensch ist für den ängstlichen Hund bei
weitem nicht so bedrohlich wie ein wacher, aktiver,
sich bewegender Mensch. Und er bietet die Möglichkeit,
sich an den neuen, eigentümlichen Geruch dieses
Menschen zu gewöhnen, damit vertraut zu werden.
Gleichzeitig macht der Hund die Erfahrung, einen
Lebensraum mit dem Menschen zu teilen, ohne dass
ihm etwas Negatives widerfährt. Und nicht zuletzt
hat das ruhige Atmen während des Schlafens
vielleicht auch für den Hund etwas Beruhigendes.
-
Beruhige deinen Hund in seiner Sprache !
Hunde benutzen bestimmte körpersprachliche
Signale, um potentiell konfliktgeladene und stressreiche
Situationen zu entschärfen, die Situation und
sich selbst und ihre jeweiligen Partner zu entspannen
und so die friedliche Kontaktaufnahme zu erleichtern.
Diese sogenannten Beschwichtigungssignale sind beispielsweise
-
Vermeiden
eines frontalen Körperkontaktes, Schlagen
eines Bogens bei der Annäherung
-
Körper
wegdrehen, sich umdrehen, Flanke oder Hinterteil
zuwenden
-
Vermeiden
direkten Anstarrens, Blickkontakt abbrechen,
Blick abwenden, zur Seite gucken, den Blick
verkürzen, die Lider senken, auf den Boden
gucken, hastiges Blinzeln
-
Kopf
abwenden und zur Seite drehen
-
(wechselseitiges)
Beschnüffeln von Kopf und Hals
-
(wechselseitige)
Geruchskontrolle am Hinterteil
-
hastig
über die eigene Schnauze lecken
-
demonstrativ
auf den Boden legen
-
demonstratives
und wiederholtes Gähnen
-
am
Boden schnüffeln
-
einen
kleinen Stock ins Maul nehmen und damit herum
laufen
-
generell:
langsame Bewegungen statt schnelle
-
Spielaufforderung:
Vorderkörper tief und vor dem anderen Hund
abwechselnd nach links und nach rechts hüpfen
-
Welpenverhalten,
z.B. von unten kommend mit der eigenen Schnauze
die Schnauze des anderen Hundes anstoßen
Kopieren Sie diese Signale, auch wenn man Sie für
ein wenig verrückt hält ! Wir haben es
oft genug erlebt, dass wir neben einem Pflegehund
gesessen haben (nachdem wir uns vorher im Bogen
genähert hatten, ohne dem Hund in die Augen
zu gucken), der vor Angst starr und eingefroren
war. Als wir begannen, dem Hund die Seite oder den
Rücken zugewendet, demonstrativ zu gähnen,
wurde der Hund ruhiger. Als wir anfingen, vorsichtig
den Hals und Kopf des ängstlichen Hundes zu
beschnüffeln, und anschließend unseren
Kopf und Hals abwendeten und dem Hund darboten,
fing dieser nach einiger Zeit an, Kontakt aufzunehmen
und uns zu beschnüffeln.
Stellen Sie sich einfach einen Moment lang vor,
Sie selbst wären in einem fremden Land fern
der Heimat. Bekommt es nicht auch für uns eine
besondere Bedeutung, wenn wir dort plötzlich
in unserer Heimatsprache angesprochen werden ? Denken
Sie mal darüber nach.
-
Vermeide
bedrohliches Verhalten !
Bedrohlich
ist für einen Hund ein Mensch, der frontal
auf ihn zugeht, den Hund anstarrt, sich aufrecht
stehend über den Hund beugt und dessen Hand
sich oben kommend dem Kopf des Hundes nähert,
wobei der Mensch auch noch in einem lauten und
harten Tonfall Worte von sich gibt.
Also bei ängstlichen Hunden: im Bogen nähern,
Blick abwenden, in die Hocke gehen, die Hand von
unten kommend dem Hund zum Beschnüffeln anbieten,
erst dann seitlich am Kopf streicheln oder unter
der Schnauze kraulen.
Und noch eine Erfahrung:
Manche Laborbeagle, die
öfter eingefangen werden mussten, haben eine
Abneigung gegen die „Fanghand“, d.h.
sie lassen sich häufig leichter und lieber
mit der linken Hand füttern, anfassen und
streicheln als mit der rechten. Probieren Sie
aus, ob auch Ihr Hund eine solche Bevorzugung
einer bestimmten Hand hat.
-
Schaffe
sichere Strukturen !
Sichere Strukturen
schaffen bedeutet zum einen, feste Zeiten zu schaffen,
und zum zweiten, sichere Rückzugsorte für
den Hund zu schaffen.'
Der Laborbeagle
gewinnt Sicherheit, wenn er die Erfahrung macht,
dass er immer relativ zur selben Tageszeit sein
Futter bekommt und immer zur selben Zeit die Spaziergänge
gemacht werden.
Viele Hunde suchen sich bereits kurz nach dem Einzug
ihren sicheren Platz. Das kann das Körbchen
sein, das kann das Sofa oder das Bett sein, aber
auch ein Platz unter dem Sofa oder unter einem Schrank
oder Tisch. Dieser Platz kann ein Platz sein, der
vom neuen Besitzer akzeptiert wird, aber auch ein
Platz, der gegen vorab festgelegte Regeln des Halters
verstößt. Für einen Beagle gilt
die Regel: Einmal verboten ist einmal verboten,
einmal erlaubt ist immer erlaubt ! Das bedeutet,
entweder Sie akzeptieren den Platz als zukünftigen
Ruheplatz des Hundes oder Sie halten den Hund konsequent
davon ab, z.B. das Bett zu benutzen. Um gerade in
der Anfangszeit die noch brüchige Beziehung
zum Hund nicht allzu sehr zu belasten, sollte die
Zurückweisung generell körpersprachlich,
z.B. durch Zurückdrängen mit dem Knie,
oder verbal, z.B. durch ein klares „Nein !“,
so sanft wie möglich und nicht brutal oder
brachial erfolgen.
-
Schaffe
Anreize zur Erkundung !
Um dem Hund
die Erforschung seiner neuen Lebenswelt zu erleichtern,
können Sie auch Leckerlies in der Wohnung verteilen,
die der Hund dann suchen kann. Dabei lernt er spielerisch
die Wohnung oder das Haus kennen.
Dies setzt voraus,
dass kein zweiter Hund vorhanden ist, der dem Neuankömmling
das Futter klaut, bevor der es entdeckt hat, und
der dabei dick und rund wird. Eventuell provoziert
man dann auch Konflikte durch Futterneid. Wenn Sie
dies befürchten, am besten getrennt füttern.
Seien Sie nicht enttäuscht,
wenn Ihr Laborbeagle anfänglich
keine Leckerlies nimmt. Viele Hunde kennen aus dem
Labor keine Leckerlies oder kennen speziell diese
Sorte von Belohnungen nicht. Fast alle werden aber
über kurz oder lang Leckerlies zu schätzen
lernen (manchmal mehr als Ihnen lieb ist).

Erfahrung
III: Keine Panik bei Nahrungsverweigerung!
Genau wie bei uns Menschen
kann eine drastische Veränderung der Lebensumstände
auch dem Hund vorübergehend auf den Magen schlagen.
Einige Hunde reagieren darauf
mit vorübergehender Nahrungsverweigerung. Keine
Panik, der Hund wird nicht gleich verhungern und fängt
bald wieder zu fressen an. Bedenklicher als das Verweigern
des Fressens ist die Weigerung zu trinken. Spätestens
am dritten Tag sollte dem Hund mit einer Pipette oder
einer Spritze ohne Nadel vorsichtig Wasser zugeführt
werden. Um feststellen zu können, ob der Hund
trinkt, sollten Sie sich merken, wie viel Wasser Sie
in den bereit gestellten Napf gefüllt haben,
und den Napf täglich kontrollieren.

Erfahrung
IV: Geduldig sein bei der Stubenreinheit!
Je nach den Haltungsbedingungen
im Labor und der dort genossenen Erziehung sind die
Laborhunde stubenrein oder nicht. Die meisten sind
es anfangs nicht, lernen es aber relativ zügig.
Wie bei kleinen Kindern geht bei dem einen die Sauberkeitserziehung
schneller, bei dem anderen langsamer, letztlich lernen
es aber alle.
Gerade kurz nach dem
Einzug kann es durch die Umstellung des Futters kurzzeitig
zu Durchfall kommen. Das gibt sich aber schnell.
Gegenmaßnahmen
sind die Gewöhnung an feste Essenszeiten und
feste Zeiten für die regelmäßigen
Spaziergänge. Außerdem wenig Futterwechsel,
z.B. ständiger Wechsel zwischen Trocken –
und Nassfutter. Eine Erleichterung ist auch ein unkomplizierter
Zugang zum umzäunten Garten durch eine Hundeklappe
(der Umgang damit muss manchmal trainiert werden).

Erfahrung V:
Bewegung anfänglich nicht übertreiben!
Diese Regel gilt ausdrücklich
nur für die Eingewöhnungszeit !
Im Normalfall
sind die Laborbeagle sehr bewegungsfreudig und konditionsstark
und brauchen mindestens 2 Stunden Bewegung am Tag.
Aber je nach Haltungsbedingungen muss die Kondition
erst einmal aufgebaut werden. Also führen Sie
den Hund je nach Alter und körperlichem Zustand
langsam an die hohen Leistungen heran. Gehen Sie zunächst
kleinere Strecken und steigern Sie dann allmählich
die Tagesleistung.
Ein zweiter Grund für
diese Regel ist die Tatsache, dass fast alle Laborhunde
bei ihrer Entlassung noch sehr zarte Haut unter den
Sohlen haben. Erst durch die Spaziergänge, insbesondere
auf Bürgersteig und Asphalt, bildet sich eine
Hornhaut, die den Hund vor Schäden schützt

Erfahrung
VI: Keine Spaziergänge ohne gründliche Sicherung!
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| doppelte
Sicherung (Halsband und Geschirr) |
Gerade in der ersten Zeit nach
der Entlassung aus dem Labor kann der Beagle durch
seinen mangelnden Umgang mit der Umwelt draußen
und seine noch fehlende Bindung an den Menschen in
Lebensgefahr geraten, wenn er weg läuft. Abschuss
durch Jäger, Tod durch Überfahren auf Straßen
oder Bahnlinien oder schlichtweg Verhungern sind nur
einige traurige Erfahrungen, die wir im Laufe der
Jahre machen mussten.
Also: den Garten gegen
Überspringen oder Untergraben der Zäune
sichern, beim Spaziergang mit Geschirr und
Halsband sichern. Bitte benutzen Sie in der
ersten Zeit keine Flexi-Leinen, da der Griff sehr
schnell aus der Hand rutschen kann, wenn der Hund
los prescht. Eine gut erhaltene Leder- oder Stoffleine
sollte gut ums Handgelenk gewickelt werden. Geben
Sie in der ersten Zeit auch keinem Kind die Leine
in die Hand.
Aufpassen, wenn die Haustür oder die Autotür
geöffnet wird. Eventuell die ersten Spaziergänge
im umzäunten Gelände durchführen. Außerdem
das Geschirr mit Telefonnummer und Adresse des Halters
und mit Tasso – Marke versehen.
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